Breaking News, Sammlung von Kelterborn

Mönchehaus Goslar 17.3.-10.06.2018

Unablässig stürmen reißerische Schlagzeilen im Live-Ticker auf uns ein – auf unseren Smartphones, im Fernsehen oder in den Printmedien. Solche „Breaking News“ schüren Ängste, bedienen Allmachtsphantasien, geben Hoffnung oder lassen verzweifeln. Neben sachlicher Information verbreiten sie, von  „Fake News“ oft kaum zu unterscheiden, Unsicherheit, Unruhe und eine aufgeladene Stimmung. In postfaktischen Zeiten lässt das kurzfristige Schüren von Emotionen den „faktischen“ Inhalt der Berichterstattung oft wie eine Marginalie erscheinen.

Die Kunst dagegen setzt nicht auf Eil- und Sondermeldungen. Ihre bahnbrechenden Neuigkeiten sind nachhaltiger. Was sie uns über die heutige Welt zu sagen hat, in der immer mehr Menschen „Breaking News“ nur noch in den Social Media lesen, ist in den Werken der Sammlung von Kelterborn exemplarisch zu sehen. Und kann ein neuer, anderer, individueller Blick auf die Welt, wie ihn die Kunst vermittelt, nicht auch so überraschend wie „Breaking News“ sein?

Die hier vertretenen Künstlerinnen und Künstler dringen in die Vielschichtigkeit und Abgründe der menschlichen Psyche ein, blicken in märchenhafte Landschaften und digitale Universen, schauen zurück in die Geschichte, beobachten und analysieren eine Gegenwart, die von der (Un)gleichzeitigkeit verschiedener Kulturen geprägt ist. Sie verschließen die Augen nicht vor den Problemfeldern unserer Zeit, vor Kriegen, Kriminalität, der Verwahrlosung der Städte oder der Fragilität des menschlichen Körpers.

In einer Epoche, die von Globalisierung und Digitalisierung, großer Migration und gleichzeitig von neuen nationalistischen Tendenzen und Politiken der Abschottung geprägt ist, versteht sich die Ausstellung Breaking News auch als Plädoyer für eine offene Gesellschaft, wie sie Karl Popper schon vor Jahrzehnten propagierte. Dazu gehört auch die Freiheit der Kunst, sich auf politische und gesellschaftliche Fragen einzulassen, diese aber nicht illustrativ oder propagandistisch zu bebildern, sondern die Kraft ihrer ästhetischen Ausdrucksmittel ins Feld zu führen und damit auch ihre Autonomie zu behaupten.


Künstlerliste:
Korakrit Arunanondchai, Teboho Edkins, Claire Fontaine, Harun Farocki, Francisca Goméz, Harald Hauswald, Gary Hill, Hu Weiyi, Luzia Hürzeler, Sven Johne, Thomas Kilpper, Barbara Klemm, Jaroslaw Koslowski, Clemens Krauss, Thomas Locher, Renzo Martens, Björn Melhus, Björn Melhus/Yves Netzhammer, Richard Mosse, Marcel Odenbach, Mario Pfeifer, Anke Röhrscheid, Jürgen Schadeberg, Taryn Simon, Hito Steyerl, Mikhael Subotzky, Die Tödliche Doris, Mariana Vassileva, Mia Florentine Weiss

http://www.moenchehaus.de/event/breaking-news/

Interview Independent Collectors

Komm und sieh, Arbeiten aus der Sammlung von Kelterborn

Peter Funken, Kunstforum, Weserburg, Museum für moderne Kunst, Bremen, 10.1.2014 – 1.3.2015

Der Ausstellungtitel geht auf den 1985 in der Sowjetunion erschienen Film „Komm und sieh“ von Elem Klimow zurück, der Brutalität und Verbrechen der Naziarmee in Weißrussland während des 2. Weltkriegs schildert. „Komm und sieh“ machte auf Mario von Kelterborn (*1968), der damals in der DDR lebte, großen Eindruck. Der Titel ist der Johannesoffenbarung entlehnt, der Ausruf stellt die Aufforderung dar, die Verheerungen zu betrachten, die die apokalyptischen Reiter angerichtet haben. Schwerpunkt der Sammlung von Kelterborn, so die Kuratoren Peter Friese und Ingo Clauß im Vorwort zur Publikation (1), sind „gesellschaftsbezogene, philosophisch hintergründige, aber auch politisch brisante Werke international bekannter Künstlerinnen und Künstler“.